Die Menschwerdung verändert die Frage

Gott der Sohn erschien nicht bloß menschlich; er nahm wirkliches Fleisch von der Jungfrau Maria an und trat in die Geschichte ein. Die Apostel sahen, hörten und berührten ihn. Eine Christusikone bekennt deshalb, dass das ewige Wort in seiner sichtbaren Menschheit darstellbar wurde, ohne aufzuhören, Gott zu sein.

Ikonen versuchen nicht, das göttliche Wesen zu malen. Sie zeigen Christus seiner Menschheit nach und die Heiligen als durch Gnade verklärte Personen. Die stilisierte Sprache der Ikone widersetzt sich einer Behandlung heiliger Personen als gewöhnlicher Dekoration oder fotografischer Illusion.

Hat die Bibel jedes heilige Bild verboten?

Das Gebot verbietet, Götzenbilder zu machen und anzubeten, also Bilder als Götter zu behandeln. Doch dasselbe Alte Testament kennt Cherubim über der Bundeslade, gewebte Figuren im Offenbarungszelt und symbolische Bilder im Tempel. Die biblische Frage betrifft falsche Gottesverehrung, nicht das Vorhandensein jeder bildlichen Darstellung.

Die Menschwerdung bringt die entscheidende Klarheit: Gott hat sein eigenes Bild in Christus gegeben, „dem Bild des unsichtbaren Gottes“. Christliche sakrale Kunst bezeugt eine wirkliche Heilsgeschichte, statt eine Gottheit aus der Fantasie zu erfinden.

Verehrung ist keine Anbetung

Die orthodoxe Tradition unterscheidet die allein Gott dargebrachte Anbetung von der bezogenen Ehrung heiliger Personen und Dinge aufgrund ihrer Beziehung zu Gott. Eine Verneigung oder ein Kuss kann viele Arten der Ehre ausdrücken; die Bedeutung hängt vom Gegenstand und von der Absicht ab.

Wenn ein orthodoxer Christ eine Christusikone küsst, gilt die Liebe Christus. Bei der Verehrung einer Heiligenikone geht die Ehre auf den Heiligen über, dessen Heiligkeit von Gott stammt. Holz und Farbe werden nicht als eigenständige göttliche Mächte behandelt.

Wie Ikonen verwendet werden

  • Die Ikonen der Kirche umgeben die Betenden mit Christus, den Engeln, biblischen Ereignissen und den Heiligen als einer Gemeinschaft.
  • Eine Ikonenecke zu Hause bietet einen festen Ort, um sich zum Gebet zu versammeln.
  • Festikonen verkünden Theologie in Bildern und helfen den Gläubigen, in den Kirchenkalender einzutreten.
  • Eine Lampe oder Kerze vor einer Ikone drückt Gebet und Ehre aus; sie nährt oder aktiviert das Bild nicht.
  • Ikonen sollen zu Umkehr und Liebe führen, nicht zu Sammelleidenschaft, Aberglauben oder ästhetischem Statusdenken.

Byzantinische, griechische und russische orthodoxe Ikonen

Byzantinische, griechische und russische orthodoxe Ikonen gehören zu sich überschneidenden Traditionen innerhalb desselben östlich-orthodoxen Glaubens, nicht zu verschiedenen Religionen. Regionale Schulen können sich in Farbpalette, Linienführung, Inschriften, Materialien und Komposition unterscheiden und zugleich das theologische Ziel der Kirche sowie überlieferte ikonographische Themen teilen.

Eine Jesusikone soll denselben Christus bekennen, ob sie in Griechenland, Russland, Rumänien, Serbien, im Nahen Osten oder in Nordamerika gemalt wurde. Beim Kennenlernen oder Auswählen einer Ikone zählen ihr Motiv, ihre Inschrift, ihre Treue zur orthodoxen Tradition und ihre Herkunft mehr als eine Verkaufsbezeichnung oder ein nationaler Stil, der bloß als Dekoration dient.

Was, wenn du dich unwohl fühlst?

Besucher müssen nicht jede Geste nachahmen. Beobachte, was die Kirche damit meint, bevor du festlegst, was eine Handlung bedeuten muss. Frage einen Priester, warum eine bestimmte Ikone an ihrem Platz steht oder was die Festikone lehrt.

Wenn du gelernt hast, jede Verehrung sei Götzendienst, kann diese Unterscheidung Zeit brauchen. Beginne bei Christus und der Menschwerdung. Die orthodoxe Verteidigung der Ikonen bekräftigt letztlich, dass Gott wirklich in die materielle Schöpfung eingetreten ist und sie verklären will.

Quellen und weiterführende Literatur