Die Kirche nimmt Christi Gabe ernst

Beim Mystischen Abendmahl bezeichnet Christus Brot und Kelch als seinen Leib und sein Blut und gebietet den Aposteln, dies zu seinem Gedächtnis zu tun. Johannes 6 spricht davon, sein Fleisch zu essen und sein Blut zu trinken, um Leben zu haben; der Erste Korintherbrief warnt, dass unwürdiger Empfang den Leib und das Blut des Herrn entheiligt.

Die orthodoxe Liturgie versteht dies nicht als Metaphern, die auf unveränderte kleine Speisen übertragen werden. Vor der Kommunion bekennen die Gläubigen, dass dies wahrhaft Christi eigener allreiner Leib und sein kostbares Blut ist, und treten zur Heilung von Seele und Leib heran.

Wirklich, symbolisch, mystisch und geistlich

Im modernen Sprachgebrauch werden wirklich und symbolisch oft gegenübergestellt: Etwas müsse entweder physisch gewöhnlich oder bloß eine Erinnerung sein. Die orthodoxe Sprache ist älter und reicher. Ein wahres Symbol verbindet Wirklichkeiten und macht sichtbar, was es mitteilt; Mysterium bezeichnet Gottes Handeln, das sich nicht auf Laborkategorien reduzieren lässt.

Die Eucharistie mystisch oder symbolisch zu nennen schwächt deshalb ihre Wirklichkeit nicht ab. Brot und Wein werden durch den Heiligen Geist wahrhaft zu Christi Leib und Blut und vermitteln sie. Ihre äußeren Eigenschaften bleiben erkennbar, während ihre kirchliche Wirklichkeit und Gabe das sind, was Christus erklärt.

Lehrt die Orthodoxie Transsubstantiation?

Orthodoxe Autoren haben gelegentlich das Wort Transsubstantiation oder verwandte Begriffe verwendet, um eine wirkliche Wandlung zu verteidigen, besonders gegenüber Lehren von einer bloß gedanklichen Gegenwart. Die Liturgie der Kirche bekennt unmissverständlich eine Verwandlung der Gaben.

Die Orthodoxie verlangt gewöhnlich nicht von jedem Gläubigen, eine bestimmte scholastische Erklärung dafür anzunehmen, wie diese Wandlung geschieht. Die Anaphora sagt Dank, gedenkt Christi Heilswerk, bringt die Gaben dar und ruft den Heiligen Geist an. Die Gläubigen antworten mit Amen und empfangen das Mysterium, statt es begrifflich beherrschen zu wollen.

Die Kommunion bildet und offenbart die Kirche

Die Eucharistie ist keine isolierte Begegnung zwischen Jesus und einem Einzelnen. Ein Brot und ein Kelch versammeln die getauften Gläubigen zu einem Leib, versöhnen sie mit Gott und miteinander und verkünden das Reich. Deshalb bekennt die eucharistische Gemeinschaft zugleich gemeinsamen Glauben, gemeinsame Bischöfe, sakramentales Leben und moralische Verantwortung.

Die Grenze am Kelch hängt deshalb mit dem Wesen der Kommunion zusammen. Sie ist weder eine gastfreundliche kleine Mahlzeit noch eine von kirchlicher Zugehörigkeit gelöste geistliche Erfahrung. Besucher können in der Liturgie tief beten, ohne zu empfangen, solange keine volle Gemeinschaft besteht.

Wie die Gläubigen herantreten

Orthodoxe Christen bereiten sich durch Umkehr, Gebet, Fasten, Versöhnung und Beichte nach pastoraler Anleitung vor. Sie empfangen Leib und Blut gemeinsam aus dem Kelch; dazu gehören in der orthodoxen Kirche auch getaufte und myrongesalbte Säuglinge.

Nach dem Empfang sagt die Kirche Dank und bittet darum, dass die Gabe Frucht trägt. Eucharistischer Glaube soll zu eucharistischem Leben werden: Dankbarkeit, Barmherzigkeit, geteilte Güter, Vergebung und Sorge für Schutzbedürftige. Christus zu empfangen und zugleich den Nächsten zurückzuweisen widerspricht der Gabe, die in den Mund gelegt wurde.

Quellen und weiterführende Literatur