Warum orthodoxe Christen von Mysterien sprechen

Mysterium bedeutet kein Rätsel, für das Belege fehlen. Es bezeichnet eine göttliche Wirklichkeit, die wahrhaft geschenkt und erfahren wird, sich aber niemals durch Analyse ausschöpfen lässt. In den Mysterien wirkt Gott durch Gebet, Materie, das geweihte Amt und den Glauben der Kirche, um sein Leben mitzuteilen.

Auch „Sakrament“ ist im Englischen eine übliche Bezeichnung für diese Riten. Die Begriffe weisen auf dieselbe Wirklichkeit: Sichtbare Handlungen wie Waschen, Salben, Essen, Bekennen, Krönen, Handauflegung und Segnen werden zur Teilhabe an Christi Heilswerk.

Die sieben gewöhnlich genannten Mysterien

  • Taufe: mit Christus im Wasser sterben und auferstehen und in die Kirche eintreten.
  • Myronsalbung: das Siegel der Gabe des Heiligen Geistes empfangen.
  • Eucharistie: Gemeinschaft mit Christi wahrem Leib und Blut in der Mitte der Kirche.
  • Buße oder Beichte: Versöhnung, Vergebung und Heilung nach der Sünde.
  • Ehe: menschliche Liebe, gekrönt und dargebracht in Christus und seinem Reich.
  • Weihe: Bischöfe, Priester und Diakone werden für den Dienst der Kirche geweiht.
  • Heilige Ölung: Salbung und Gebet um Heilung von Seele und Leib.

Warum die Zahl sieben keine Grenze setzt

Die feste Siebenerliste wurde relativ spät üblich und erleichterte die Unterweisung, doch die frühere orthodoxe Tradition sprach umfassender. Auch Mönchstonsur, Begräbnisse, Wasserweihen, Kirchweihen, das Kreuzzeichen und das gesamte liturgische Leben haben sakramentalen Charakter.

Das hebt die einzigartige Bedeutung von Taufe oder Eucharistie nicht auf. Es bedeutet, dass die Kirche nicht in sieben übernatürliche Augenblicke und ein geistlich leeres Leben dazwischen aufgeteilt ist. In Christus ist die ganze Schöpfung zu Danksagung und Gemeinschaft gerufen.

Wer feiert und wer empfängt

Der Bischof ist der oberste sakramentale Amtsträger seiner Kirche; Priester feiern die meisten Mysterien in seiner Vollmacht, während Diakone assistieren. Die ganze versammelte Kirche nimmt durch Gebet und Glauben teil. Der Priester ist kein privater Eigentümer der Gnade, und das Mysterium ist keine bei einem religiösen Fachmann gekaufte Dienstleistung.

Der Empfang hängt vom Mysterium und der kirchlichen Situation eines Menschen ab. Taufe und Myronsalbung führen in die Kirche ein; die Kommunion drückt volle Kirchenzugehörigkeit aus; Ehe und Weihe erfordern kanonische Vorbereitung. Besucher sollten nachfragen, statt anzunehmen, dass die Anwesenheit zur sakramentalen Teilnahme berechtigt.

Die Mysterien verlangen eine Antwort im Leben

Die Orthodoxie lehnt die Vorstellung ab, Riten wirkten wie Magie, während ein Mensch sich bewusst nicht berühren lässt. Gott ist treu und das sakramentale Handeln der Kirche ist objektiv, doch die Gnade ruft zu Glauben, Umkehr, Gehorsam und fortwährender Verwandlung.

Ein getaufter Mensch muss sich immer wieder Christus zuwenden; ein Ehepaar muss seine Kronen als sich hingebende Liebe leben; die Beichte muss zu Veränderung führen; die Kommunion muss in Barmherzigkeit Frucht tragen. Die Mysterien sind Gaben des Reiches und Heilmittel für einen lebenslangen Weg, keine Zeugnisse geistlicher Vollendung.

Quellen und weiterführende Literatur