Die Ehe als Ikone Christi und der Kirche

Die Orthodoxie sieht in der Ehe mehr als einen privaten Vertrag oder eine romantische Feier. Zwei Menschen bringen ihr gemeinsames Leben Christus dar und empfangen Gnade, in Treue, Opfer, Vergebung, Gastfreundschaft und Hoffnung auf das Reich eins zu werden.

Die Ehe garantiert kein leichtes Leben, löscht die Persönlichkeit nicht aus und berechtigt nicht zur Herrschaft über den anderen. Ihr Vorbild ist Christi sich entäußernde Liebe. Jeder Ehepartner ist berufen, Selbstsucht abzulegen, die Würde des anderen zu schützen und ihm zu helfen, heilig zu werden.

Verlobung und Ringe

Der Gottesdienst beginnt oft nahe dem Eingang mit der Verlobung. Ringe werden gesegnet und getauscht; sie drücken Bindung, Vertrauen und das Teilen des Lebens aus. Die Gebete erinnern an biblische Verbindungen und bitten Gott, das Paar in Treue zu festigen.

Bräuche zu Trauzeugen, Ringplatzierung, Kerzen, staatlichen Unterlagen und der Frage, ob Verlobung und Krönung unmittelbar verbunden werden, unterscheiden sich je nach Jurisdiktion. Die Gemeinde sollte erklären, was liturgisch vorgegeben und was örtlicher Brauch ist.

Die Krönung

Das Paar steht vor dem Evangelium und empfängt Kronen. Sie bezeichnen die Herrlichkeit der Gott dargebrachten menschlichen Liebe, königliche Verantwortung in einem neuen Hausstand und Martyrium im ursprünglichen Sinn des Zeugnisses: der Selbstsucht sterben, damit ein anderer leben kann.

Die Epistel spricht über die Ehe in ihrer Beziehung zu Christus und der Kirche; das Evangelium erinnert an die Hochzeit zu Kana. Das Paar teilt einen gemeinsamen Kelch und geht dreimal um Evangelium und Kreuz, hineingeführt in ein Leben mit Christus im Mittelpunkt.

Warum es keine persönlichen Eheversprechen geben muss

Im byzantinisch-orthodoxen Ritus entsteht die Ehe nicht vor allem dadurch, dass zwei Menschen persönlich formulierte Versprechen aufsagen. Ihr freies Einverständnis ist notwendig und wird gewöhnlich vor dem Gottesdienst festgestellt; die Liturgie betont jedoch, dass Gott die Verbindung durch das Gebet der Kirche segnet und krönt.

Das macht die Zustimmung nicht unwichtig. Zwang, Angst, Täuschung, Missbrauch oder fehlende Einwilligungsfähigkeit widersprechen der Ehe. Wer Druck oder Gefahr ausgesetzt ist, sollte vor weiteren Schritten vertraulich mit dem Priester sprechen und geeignete fachliche oder rechtliche Unterstützung suchen.

Vorbereitung auf eine orthodoxe Trauung

Die Vorbereitung gibt dem Paar auch Zeit, die Gemeinde als künftige geistliche Heimat kennenzulernen, nicht bloß als Gebäude, in dem eine Zeremonie fotografiert wird.

  • Kontaktiert die Gemeinde, bevor ihr einen Veranstaltungsort bucht oder ein Datum festlegt; die erforderliche Vorbereitung dauert oft Monate.
  • Klärt Taufstatus, frühere Ehen, diözesane Genehmigungen, Trauzeugen, Unterlagen und staatliche Anforderungen an die Eheschließung.
  • Absolviert die pastorale Vorbereitung zu Glauben, Konflikten, Geld, Sexualität, Kindern, Gebet und Gemeindeleben.
  • Fragt, was fotografiert, geschmückt, verändert oder hinzugefügt werden darf; der sakramentale Gottesdienst ist kein frei anpassbares Bühnenskript.
  • Plant das Eheleben nach der Hochzeit durch Gottesdienst, Beichte, Kommunion, Beratung und konkrete Gewohnheiten der Versöhnung.

Quellen und weiterführende Literatur