Das Glaubensbekenntnis ist der klarste Ausgangspunkt

Das orthodoxe Christentum ist keine Sammlung unverbundener Meinungen. Sein zentrales Bekenntnis ist das Glaubensbekenntnis von Nicäa-Konstantinopel, das in der Göttlichen Liturgie gebetet wird. Es beginnt mit dem Vater, bekennt den Sohn, der zu unserem Heil Mensch wurde, verkündet den Heiligen Geist und nennt die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.

Das Glaubensbekenntnis gibt jedem Thema sein rechtes Maß. Ikonen, Fasten, Heilige und liturgische Bräuche werden nur im Glauben an den dreieinigen Gott und an Menschwerdung, Kreuz und Auferstehung Jesu Christi verständlich.

Gott, Schöpfung und der Mensch als Person

Gott ist einer dem Wesen nach und drei in Personen: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Die Dreifaltigkeit ist kein zu lösendes Rätsel, sondern das offenbarte Leben göttlicher Liebe, zu dem Menschen durch Gnade eingeladen sind. Die Schöpfung ist gut, sinnvoll und von Gott abhängig; sie ist weder göttlich noch beliebig wegwerfbar.

Menschen sind nach Gottes Bild geschaffen und dazu berufen, ihm immer ähnlicher zu werden. Die Sünde schädigt Gemeinschaft, verwirrt das Verlangen und bringt den Tod, löscht aber Gottes Bild nicht aus. Orthodoxes geistliches Leben ist deshalb ein Werk der Heilung und Wiederherstellung, keine Verachtung des Körpers oder der Welt.

Christus und Erlösung

Jesus Christus ist eine Person in zwei Naturen, vollkommen Gott und vollkommen Mensch. Durch Menschwerdung, Tod, Hinabsteigen in den Tod, Auferstehung und Himmelfahrt heilt Christus die menschliche Natur und eröffnet Gemeinschaft mit Gott. Erlösung umfasst Vergebung, ist aber mehr als ein juristischer Freispruch: Sie ist Befreiung von Sünde und Tod und lebenslange Teilhabe an Christi Leben.

Gnade ist Gottes Geschenk und Wirken. Die menschliche Freiheit antwortet durch Glauben, Umkehr, Liebe und Gehorsam. Orthodoxe Christen stellen Glauben und treues Handeln nicht gegeneinander; lebendiger Glaube trägt Frucht, und jede gute Antwort wird selbst von der Gnade getragen.

Schrift, Tradition und Kirche

Die Bibel ist inspirierte Schrift und das wichtigste schriftliche Zeugnis von Gottes Offenbarung. Sie entstand im Volk Gottes und wird in Gottesdienst, Verkündigung, Konzilien und heiligen Lebenswegen der Kirche gelesen. Die Heilige Tradition ist kein Haufen späterer Bräuche neben der Schrift, sondern die lebendige Weitergabe des apostolischen Glaubens, in dem die Schrift empfangen und ausgelegt wird.

Die Kirche wird als Leib Christi verstanden, vor Ort um Bischof und Eucharistie versammelt und weltweit im selben Glauben vereint. Bischöfe bewahren die apostolische Kontinuität, Priester dienen den örtlichen Gemeinschaften, und alle Gläubigen tragen gemeinsam Verantwortung für Heiligkeit und Zeugnis.

Sakramente, Heilige, Maria und Ikonen

In den heiligen Mysterien wird die materielle Schöpfung zum Träger der Gnade: Wasser in der Taufe, Öl in der Myronsalbung, Brot und Wein in der Eucharistie. Orthodoxe Christen beten allein Gott an. Sie ehren die Heiligen als in Christus lebendige Menschen und bitten sie als Glieder derselben Gemeinschaft um Gebet.

Maria wird Theotokos, „Gottesgebärerin“ oder „Mutter Gottes“, genannt, weil der aus ihr Geborene wahrhaft Gott der Sohn im Fleisch ist. Ihre Verehrung bewahrt die Wahrheit über Christus. Ikonen werden verehrt, nicht angebetet; die Ehre geht auf die dargestellte Person über. Möglich sind sie aufgrund der Menschwerdung: Der unsichtbare Sohn wurde im menschlichen Fleisch wirklich sichtbar.

Glaube wird zur Lebensweise

Orthodoxer Glaube soll zu Gebet, eucharistischem Gottesdienst, Umkehr, Fasten, Großzügigkeit, Vergebung und Sorge für Schutzbedürftige werden. Das Ziel ist nicht, religiöse Streitgespräche zu gewinnen, sondern mit Christus vereint und zur Liebe verwandelt zu werden.

Deshalb kann eine Liste nur eine Einführung sein. Um den orthodoxen Glauben zu verstehen, besuche Gottesdienste, lies die Evangelien und sprich mit einem Priester. Die Lehre ist am vollständigsten zu hören, wenn die Kirche sie betet.

Quellen und weiterführende Literatur