Die Kirche heiligt die Stunden des Tages
Der orthodoxe Gottesdienst übernimmt die biblische Gewohnheit, zu festgesetzten Zeiten zu beten. Die Kirche betrachtet die Woche nicht als leeren Raum um den Sonntagmorgen, sondern prägt Abend, Morgen und weitere Stunden durch Psalmen, Lesungen, Hymnen und die Erinnerung an Gottes Heilswerk.
Nach dem biblischen Muster, in dem Abend und Morgen einen Tag bilden, beginnt der liturgische Tag am Abend. Deshalb beginnt die Feier eines Sonntags oder Festes mit seiner Vesper, bevor der bürgerliche Kalender das Datum des nächsten Morgens erreicht.
Was in der Vesper geschieht
Die Vesper führt von der Schöpfung und der Gottesbedürftigkeit des Menschen zum Licht Christi. Psalm 103 preist die Schöpfung; die Bitten nehmen die Nöte der Welt auf; Psalmen lassen das Gebet wie Weihrauch aufsteigen; Hymnen kündigen den Tag oder das Fest an; und „Freudenlicht“ begrüßt Christus als das heilige Licht des Vaters.
Am Samstagabend bereiten Auferstehungshymnen die Kirche auf den Tag des Herrn vor. Die Große Vesper dauert oft etwa fünfundvierzig Minuten bis zu einer Stunde, je nach Gemeindepraxis. Sie ist gewöhnlich ruhiger und weniger besucht als die Sonntagsliturgie und eignet sich deshalb gut als erster Gottesdienst für Interessierte.
Was in der Matutin geschieht
Die Matutin ist ein ausführlicher Morgengottesdienst mit Lobpreis, Psalmen, dem Evangelium an Sonntagen und bestimmten Festen sowie einem umfangreichen Hymnenwerk, dem Kanon. Ihr wiederkehrender Aufbau verkündet Gottes Licht, Christi Auferstehung und das jeweils gefeierte Mysterium.
Griechische Gemeinden nennen sie oft Orthros und feiern sie gewöhnlich am Sonntag unmittelbar vor der Göttlichen Liturgie. Manche Gemeinden slawischer Tradition verbinden Vesper und Matutin zu einer abendlichen Vigil. Andere feiern die Matutin seltener, je nach verfügbaren Mitwirkenden und örtlichem Brauch.
Vesper, Matutin und Göttliche Liturgie sind nicht austauschbar
Vesper und Matutin gehören zum täglichen Gebetskreis; die Göttliche Liturgie ist die eucharistische Versammlung. Man kann Vesper oder Matutin besuchen, ohne dass eine Liturgie folgt, und keiner der beiden Gottesdienste enthält in seiner gewöhnlichen Form die heilige Kommunion.
Gemeinsam erschließen sie das Fest, bevor die Eucharistie gefeiert wird. Viel orthodoxe Theologie wird dort gesungen: biblische Bilder, Heiligenleben, die Bedeutung der Ereignisse und die Antwort der Kirche in Umkehr und Lobpreis. Wer nur die letzte Stunde des Sonntagsgottesdienstes besucht, kann diese umfassendere Schule des Gebets übersehen.
Wie du als Anfänger teilnehmen kannst
Durch Wiederholung werden die Gottesdienste verständlich. Lass die ersten Besuche eine Begegnung sein, keine Prüfung.
- Komm ohne den Druck, jede Seite finden zu müssen; achte auf wiederkehrende Psalmen und Refrains.
- Stehe oder sitze je nach Gesundheit, vorhandenen Sitzplätzen und örtlicher Praxis.
- Frage, ob die Gemeinde ein Gottesdienstbuch oder einen digitalen Text anbietet, aber lass das Mitlesen nicht die betende Aufmerksamkeit ersetzen.
- Achte darauf, wie die Hymnen auf Evangelium und Fest vorbereiten, statt den gesamten Aufbau auswendig lernen zu wollen.
- Bleib nach Möglichkeit danach und stelle dich dem Priester oder einem Gemeindemitglied vor.
Quellen und weiterführende Literatur
- Die täglichen Gebetskreise Orthodoxe Kirche in Amerika
- Das Gebet im orthodoxen christlichen Leben Orthodoxe Kirche in Amerika
- Die Göttliche Liturgie Orthodoxe Kirche in Amerika