Christus fastete und lehrte seine Jünger zu fasten

Das Fasten zieht sich durch die Schrift: Israels Umkehr, der Ruf der Propheten zur Gerechtigkeit, Christi vierzig Tage, seine Lehre „wenn ihr fastet“ und das Gebet der Apostel vor der Mission. Die Orthodoxie empfängt Fasten als grundlegende christliche Praxis, nicht als mittelalterliche Erfindung.

Der Körper ist kein Feind. Weil der Mensch eine leibliche Einheit ist, schließt geistliche Umkehr Appetit, Zeit, Geld und Gewohnheiten ein. Nahrung frei zu begrenzen kann zeigen, wie rasch Verlangen uns beherrscht, und Raum schaffen, sich Gott zuzuwenden.

Die dreifache Bewegung: Gebet, Fasten, Barmherzigkeit

Ohne Gebet wird Fasten zur Diät. Ohne Großzügigkeit kann es zur Selbstbezogenheit werden. Die Kirche verbindet Fasten mit Gebet und Almosen: weniger verbrauchen, achtsamer auf Gott hören und mit Bedürftigen teilen.

Das Fasten soll auch Zunge und Vorstellungskraft umfassen: weniger Klatsch, Grausamkeit, leidenschaftsschürende Unterhaltung und zwanghafter Konsum. Nahrung bietet eine klare gemeinsame Ordnung, doch das tiefere Fasten ist der Verzicht auf Sünde.

Warum ein gemeinsamer Kalender wichtig ist

Orthodoxe Christen fasten gewöhnlich mittwochs und freitags sowie in der Großen Fastenzeit, im Weihnachtsfasten, Apostelfasten und Entschlafungsfasten, mit festtagsbedingten und örtlichen Unterschieden. Ein gemeinsamer Kalender bewahrt das Fasten davor, zu einem privaten geistlichen Markenzeichen zu werden.

Der Mittwoch erinnert an den Verrat an Christus, der Freitag an seine Kreuzigung. Fastenzeiten bereiten die Kirche darauf vor, Heilsereignisse mit Leib und Seele zu feiern. Der Kalender ist seelsorglich und gemeinschaftlich: Menschen stolpern, passen sich an und beginnen gemeinsam neu.

Regeln sind ein Ideal, keine Waffe

Die traditionelle Speiseordnung sieht oft Verzicht auf Fleisch, Milchprodukte, Eier und an strengeren Tagen auf Fisch, Wein und Öl vor. Die Einzelheiten unterscheiden sich nach Kalender, Jurisdiktion, Kloster, Gemeinde und Haushalt. Monastische Normen bieten ein ernsthaftes Ideal, doch die persönliche Anwendung gehört unter seelsorgliche Anleitung.

Schwangerschaft, Kindheit, Alter, Krankheit, Essstörungen, Medikamente, Armut, Reisen, körperlich schwere Arbeit und familiäre Gegebenheiten erfordern Anpassung. Still einen Segen zur Änderung des Fastens anzunehmen ist orthodoxer, als der Gesundheit zu schaden und andere zu verurteilen.

Was gutes Fasten hervorbringen sollte

Der verlässlichste Maßstab eines Fastens ist nicht, wie genau jemand deinen Teller prüfen kann. Frage, ob diese Zeit dich wahrhaftiger, offener für das Gebet, großzügiger und bereiter zur Vergebung macht. Wenn Stolz oder Verzweiflung entstehen, suche Rat und beginne neu.

  • Ein rascheres Bewusstsein unserer Abhängigkeit von Gott.
  • Mehr Geduld mit anderen, statt Gereiztheit mit Hunger zu entschuldigen.
  • Geld und Aufmerksamkeit, die für Werke der Barmherzigkeit frei werden.
  • Größere Freiheit von zwanghaftem Verlangen und Konsum.
  • Demut angesichts der Schwäche und Dankbarkeit für gewöhnliches Essen.

Quellen und weiterführende Literatur